Was sind Inklusionen?

Als Inklusionen bezeichnet man alle organischen oder mineralischen Materialien, die beim Erstarren des flüssigen Harzes eingeschlossen wurden. Im baltischen Bernstein sind das vor allem tierische Organismen — in erster Linie Insekten und Spinnentiere —, aber auch Pflanzenreste, Pilzsporen, Fasern, Luftblasen, Wassertropfen und Sandpartikel.

Der Begriff Inklusion kommt vom lateinischen inclusio („Einschließung“). In der Paläontologie werden Bernsteininklusionen als besondere Fossilien behandelt, da organische Strukturen in einer Erhaltungsqualität vorliegen können, die in normalem Gestein selten ist. Chitin, das Strukturmaterial von Insektenkörpern, bleibt unter günstigen Bedingungen über Millionen von Jahren erhalten.

Wie wurden Organismen eingeschlossen?

Flüssiges Baumharz flächte aus Rindenöffnungen oder Wunden und sammelte sich an der Baumrinde oder fiel auf den Waldboden. Tiere, die dieses klebrige Harz berührten, konnten sich oft nicht mehr befreien und wurden durch nachfließendes Harz vollständig bedeckt. Insbesondere kleine Organismen wurden auf diese Weise eingekapselt.

Der Erhaltungsgrad hängt davon ab, wie schnell das Tier vollständig bedeckt wurde, wie wenig Feuchtigkeit eindringen konnte und ob biochemische Abbauprozesse bereits eingesetzt hatten. Viele eingeschlossene Insekten zeigen klare anatomische Details bis hin zur Beinbehaarung.

Fossile Zweiflügler in baltischem Bernstein, Unteres Eozän
Fossile Diptera (Zweiflügler) in baltischem Bernstein, Unteres Eozän, ca. 50 Millionen Jahre. Quelle: Wikimedia Commons, CC BY-SA.

Häufige tierische Inklusionen

Die artenreichste Tiergruppe in baltischem Bernstein sind die Insekten. Folgende Gruppen sind besonders häufig dokumentiert:

  • Mücken und Fliegen (Diptera): Die am häufigsten gefundene Gruppe. Besonders Zuckerмücken, Pilzmücken und Trauermücken sind in großer Anzahl erhalten.
  • Ameisen (Hymenoptera, Formicidae): Bereits im Eozän sehr artenreich; einige ausgestorbene Gattungen sind ausschließlich aus Bernstein bekannt.
  • Käfer (Coleoptera): Häufig, besonders kleine Rindenbewohner wie Borkenkäfer und Staphylinidae.
  • Spinnen (Araneae): Relativ häufig und oft in guter Erhaltung; Netze wurden ebenfalls gefunden.
  • Milben (Acari): Sehr zahlreich, aber wegen ihrer Größe oft nur unter Vergrößerung sichtbar.
  • Termiten (Isoptera): Seltener als Ameisen, aber gut dokumentiert.

Größere Organismen wie Eidechsen oder Froschreste sind selten und werden als außergewöhnliche Funde eingestuft. Wirbeltierknochen in Bernstein sind äußerst rar.

Pflanzliche Inklusionen

Neben Tieren werden regelmäßig pflanzliche Reste gefunden. Dazu gehören:

  • Baumrindenstippen und Holzfasern der Harzlieferanten selbst
  • Blütenblätter, Staubgefäße und Pollenkörner
  • Moosfragmente und Farnsporen
  • Pilzhyphen und Pilzsporen
  • Algenfragmente in marinen Ablagerungsumgebungen

Pollen-Inklusionen erlauben Rückschlüsse auf die Vegetation des Eozänwaldes und bestätigen das gemischte Klima der Region: Die Kombination von tropischen und gemäßigten Pflanzenarten weist auf ein subtropisches bis warm-gemäßigtes Klima hin.

Nicht-biologische Inklusionen

Nicht alle Einschlüsse sind biologischer Herkunft. Häufig sind:

  • Luftblasen (Cavitae): Entstanden durch eingeschlossene Luft beim Erstarren des Harzes. Sie können einzeln oder in Schwermen auftreten und sind für die trübe, weißliche Opazität mancher Stücke verantwortlich.
  • Wassertropfen: Selten erhalten, da Wasser verdunsten kann; gelegentlich werden jedoch Hohlräume gefunden, die frühere Flüssigkeitseinschlüsse belegen.
  • Quarzkristalle und Mineralpartikel: Durch den Transport des Bernsteins abgelagert.
  • Harzfluss-Schichten: Sogenannte Schlieren oder Fliestrukturen, die durch unterschiedliche Harzviskositäten beim Erstarren entstanden.

Wissenschaftlicher Wert von Inklusionen

Bernsteininklusionen sind für die Paläontologie von besonderem Interesse, weil sie gelegentlich Weichkörpermerkmale erhalten, die in anderen Fossilien fehlen. Dies hat dazu geführt, dass aus Bernstein stammende Beschreibungen einen wesentlichen Teil der Kenntnisse über die Artenzusammensetzung und das Verhalten eozäner Wälder bilden.

Seit dem 18. Jahrhundert werden Bernsteininklusionen systematisch beschrieben; heute gibt es spezielle Datenbanken und Institute, die Bernsteinfossilien erfassen. Das Berliner Museum für Naturkunde (Museum für Naturkunde Berlin) und mehrere polnische und russische Einrichtungen pflegen bedeutende Sammlungen.

Erkennen und Beurteilen von Inklusionen

Für das Erkennen von Inklusionen gelten einige praktische Hinweise:

  • Beleuchten Sie das Stück von hinten (Durchlicht), um eingeschlossene Objekte sichtbar zu machen.
  • Verwenden Sie eine Lupe mit mindestens 10-facher Vergrößerung oder ein Stereomikroskop.
  • Achten Sie auf dreidimensionale Formen: echte Inklusionen sind räumlich erhalten, während Risse im Stein flache, glitzernde Reflexe erzeugen.
  • Vorsicht bei sehr scharfen, perfekten Einschlüssen in Handelsstücken: gelegentlich werden moderne Tiere durch Einbettung in Kunstharz gefälscht.

Bei wissenschaftlichem Interesse kann eine mikroskopische Untersuchung und Dokumentation durch ein Museum oder eine paläontologische Einrichtung sinnvoll sein. Zuständig für Funde in Deutschland ist in manchen Fällen das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau des jeweiligen Bundeslandes.

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